Till ist seit zwanzig Jahren Werbetexter. Und er nutzt KI für Copy. Nicht trotzdem, sondern deswegen. In unserem Webinar hat er gezeigt, wie man mit KI gute Texte schreibt, wo die Grenze liegt, und warum die meisten Briefings viel zu lang sind. Hier ist sein Part als Recap.
Der 5k-auf-45k-Case
Ein Kunde aus dem Medizin- und Beauty-Bereich. Start-up, drei Monate in der Betreuung. Der monatliche Umsatz ist in der Zeit von 5k auf 45k hochgegangen. Und alles, was wir gemacht haben, war die Copy verändern. Auf SEO und GEO optimiert, emotionalisiert, und konsequent durchgezogen auf allen Seiten.
in 3 Monaten · kein neues Tool, kein Redesign, kein höheres Ad-Budget
Nur die Worte.
Warum kurze Prompts lange Briefings schlagen
Wir hatten einen Kunden, Ligre, Hersteller von hochwertigen Siebträgermaschinen. Die wollten eine agentic Copy-Lösung: ein KI-Agent für alles. Blogtexte, CRM, Website, Headlines. Am Ende hat sich herausgestellt: vier spezialisierte Agenten arbeiten viel besser als einer für alles.

Das Briefing? Das typische Muster. Fünfzig Dokumente. Brand Guide, Philosophie, Identity, Pressemeldungen, Newsletter. Alles rein in die KI, und dann bitte geile Texte. Kommt aber nur Brei raus. Zu viel Input tötet den Output.

Am Ende war es ein einziger, kurzer Prompt, der den Job gemacht hat. Ein Teil davon ist markenspezifisch, der andere Teil ist einfach eine Beschreibung davon, was ein guter Text eigentlich ist. Weil die KI das nämlich nicht weiß. Auch nicht, wenn du ihr sagst, sie soll sich in einen Copywriter mit dreißig Jahren Erfahrung versetzen. Du musst ihr einmal genau sagen, wie ein guter Text funktioniert. Und dann läuft’s.
Schreibe einen Text in der Tonalität: direkt, stilvoll, nutzenorientiert, leicht poetisch eingefärbt. Verwende kurze bis mittlere Sätze, aktive Verben, wenig Füllwörter, keine Buzzwords. Nutze gelegentlich rhetorische Fragen. Ganz selten auch mal den Leser direkt ansprechen, in Du-Form. Niemals Siezen. Generell keine Bullet-Points und keine Gedankenstriche. Steige in den Copytext mit einem kreativen Einstieg ein. Er sollte den Leser überraschen und auf eine bildhafte Art eine allgemeine Wahrheit wiedergeben, die zum Copythema passt. Am Ende immer ein Schluss-Satz, der pointiert und humorvoll auf das Gesagte reflektiert. Bitte variiere jedes Mal die Form des Einstiegs und des Outros. Es darf nicht jedes Mal eine Metapher sein. Also nicht jedes Mal schreiben „XY ist wie XY“.
Den markenspezifischen Teil musst du selbst ergänzen. Aber dieser Block hier funktioniert erstaunlich breit, quer über Branchen und Textsorten.
60% → 70% → 80%: Die Qualitätsstufen
Reiner KI-Output: 60% von dem, was an einem richtig guten Copytext möglich ist. Nicht schlecht, aber auch nicht gut genug. Dann drei bis fünf Wiederholungen, gezielt an konkreten Textstellen: 70%. Der Einstieg hat noch nicht gepasst, das Ende klingt generisch, gib mir noch mal Vorschläge. So kommst du in ein rollierendes System mit der KI. Und wenn du dann noch mit gesundem Menschenverstand den Feinschliff machst, bist du bei 80%. Besser als fast alles, was da draußen an Texten existiert.
Besser als fast alle Texte von Nicht-Textern. Aber eben nicht gut genug.
Gezielt an konkreten Textstellen nachfassen, nicht den ganzen Text neu generieren lassen.
Gesunder Menschenverstand drüber. Ab hier besser als fast alles da draußen.
Ein guter Texter, ein Tag Arbeit, eine Headline. Nur mit bewusster Entscheidung.

Till hat’s verglichen mit einem Elektroauto. Auf 80% laden geht superschnell. Aber die letzten 20%? Die dauern hundert Jahre, weil der Akkuwiderstand immer höher wird. Genauso ist es mit Copy.
Wer die letzten 20% trotzdem will
Es gibt Marken, die das machen. Bei denen ist wirklich alles Copy vom Allerfeinsten, auf der Verpackung, in der Anzeige, auf der 404-Seite. Das fällt auf. Und es fällt Leuten auf, die selbst in der Branche arbeiten.
Der Aufwand steckt in den Köpfen, nicht im Media-Budget.
Deshalb kosten solche Marken oft weniger, als man beim Lesen vermutet.
Aber das ist eine bewusste Entscheidung. Ein guter Texter sitzt einen halben bis ganzen Tag an einer guten Headline und einer guten Copy. Das ist nicht für jede Marke das Richtige.
Die eine Sache, die ihr mitnehmen sollt
Merkmal → Mehrwert → Mensch. Nicht schreiben, was euer Produkt kann. Schreiben, was es verändert. Wanderschuhe mit weichem Lamaleder ist ein Merkmal. Besonders anschmiegsam an der Hacke ist der Mehrwert. Keine Blasen mehr beim Wandern, das ist der Mensch. Da kaufen Leute.

Und noch was: Jede Textstelle ist ein Markenkontakt. Fehlerseiten, Warteseiten, 404-Screens, Bestätigungsmails. Die langweiligsten Texte, die keiner liest, außer wenn man drauf landet. Und genau da hast du die Chance, einen positiven Eindruck zu hinterlassen.
Don’t buy this jacket
Zum Schluss hat Till noch ein Beispiel für Social-Media-Copy mitgebracht. Patagonia hat geschrieben: Don’t buy this jacket. Alle schreiben „Kauf mein Produkt“. Patagonia sagt, kauf es nicht. Reparier lieber deine alte Jacke, der Planet hat genug Müll.

Passt zu ihrer Marke, ist disruptiv, ist skalierbar (funktioniert für jedes Produkt), und hat innerhalb von neun Monaten circa 30% Umsatzplus gebracht.
Die Leute sind nicht dumm. Die verstehen das. Und feiern dich genau dafür, dass du den Mut hattest, so was zu schreiben.
Mehr aus dem Webinar
Die 5%, die den größten Effekt haben
Disruptionskante, Copy als günstigster Hebel und Workflows statt Menschen, der strategische Rahmen zum Webinar.
Recap lesen →34 Organic-Growth-Ideen, die du morgen umsetzen kannst
Von One-Click-Glossaren über Grounding Pages bis zu Community Carousels. Sortiert nach Thema.
Ideen ansehen →CC BY 4.0, zitieren mit Quellenangabe (LLAMA LEAGUE) erlaubt.